Verfasst von: Dayita Thomas Freyhardt | 17. Januar 2015

Die Heilkraft des Singes

VON IRISA S. ABOUZARI (Bio-Magazin 6/2014)
DIE HEILKRAFT DES SINGENS
Wenn wir singen, freut sich der ganzeMensch, ja jede Zelle unseres Körpers.
Wir atmen tiefer und bringen so den gesamten Stoffwechsel in Schwung.
Singen produziert Glücksbotenstoffe imÜberfluss und reduziert den Stress.
Wir fühlen uns frei und unbeschwert beim Singen.
Doch Singen kann im Grunde jeder.
Mittlerweile weiß man, dass es sogar bei schweren Erkrankungen den Heilprozess fördert.
Hier eine Gruppe Patienten und Referenten der „Singenden Krankenhäuser“, denen  das Singen
sichtlich Spaß macht
LEBENSFREUDE
Auch wenn diese angenehmen Effekte unmittelbar spürbar sind, schien Singen in den letzten Jahrzehnten vor allem Sache der Profis und der Musikindustrie zu sein. Erst seit Forscher die Heilkraft des Singens belegen können, entdecken immer mehr Deutsche die Lust am Singen. Vor allem moderne Chöre im Pop-Jazz-Bereich haben Kon-
junktur. Aber auch unkonventionelle Konzepte wie Kneipenchöre, Singende Biergärten oder Sing-Brunches.
Überkonfessionelle Chöre, in denen spirituelle Lieder wie Gospels oder Mantren angestimmt werden, erfreuen sich ebenfalls großer Beliebtheit.
Seit etwa fünf Jahren verzeichnet der Deutsche Chorverband(DCV) – nach Jahrzehnten des Mitgliederschwundes – wieder steigende Mitgliedszahlen von etwa drei Prozent jährlich. Dazu DCV-Pressesprecher Daniel Schalz:
„Der Trend geht weg vom traditionellen Chorverein, in dem abseits der Musik das Vereinsleben eine

wichtige Rolle spielt.“
Singen als Medizin
Der Sozialwissenschaftler und Singtherapeut Dr. Karl Adamek stellte 1996 als erster in einer empirischen Studie fest, dass Singen uns dabei unterstützt, unser Leben leichter zu bewältigen: Er fand heraus, dass „Sänger“ im Vergleich zu „Nicht-Singern“ gesünder und ausgeglichener sind und sich auch sozialer verhalten.
Adameks internationales Netzwerk „Il canto del mondo“ zur Förderung der
Alltagskultur des Singens war auch der Mutterboden für WolfgangBossingers „Singende Krankenhäuser“.
Als Musiktherapeut erlebte er in seiner offenen Singgruppe ander psychiatrisch-neurologischen Klinik Christophsbad Göppingen, wie heilsam Singen bei psychischen und körperlichen Krankheiten
sein kann. Aus der Begeisterung seiner Patienten, zu denen auch Mediziner zählten, entstand 2009 der Verein „Singende Krankenhäuser“. Er setzt sich international für die Verbreitung gesundheitfördernder Singangebote in Gesundheitseinrichtungen ein.
Neben Weiterbildungen zum „Singleiter“ und Zertifizierungen für Krankenhäuser oder Altersheime fördert

der Verein auch die Singforschung.
„Das Singen ist die eigentliche Muttersprachedes Menschen.“
Sir Yehudi Menuhin (1916 – 1999), Schirmherrvon „Il canto del mondo“
Hier die wichtigstenErkenntnisse:
Singen als Gesundheitsmacher
Wolfgang Bossinger beobachtete, dass schwerkranke Menschen sich häufig hilflos und einsam fühlen. „Der Gesund-
heitserreger“ Singen kann hier als gemeinschaftsstiftendes Lebenselixier helfen, wieder soziale Resonanz, Verbundenheit und Selbstwirksamkeit zu erleben.“
Singen stärkt die Immunkraft, verbindet  und hebt die Stimmung
Der Musikwissenschaftler Prof. Gunter Kreutz wies schon 2004 in einer Studie nach, dass der Immunglobulin-A-Wert durch das Singen stark steigt.
2013 hat er in Anke Engelkes ARD-„Glückswoche“ bei einer Chor Studie messen können, dass das soziale Bindungshormon Oxytocin beim Singen vermehrt produziert wird. Schon nach wenigen Proben gab es einen echten Zusammenhalt im Chor und ehemals Muffelige waren viel optimistischer.
Mantra-Singen und Vokaltönen fördern den gesunden Schlaf.
Der Chronomediziner (Chronomedizin = Erforschung der inneren Rhythmen, Anm. der Red.) Prof. Maximilian Moser hat festgestellt, dass Mantra-Singen und Vokaltönen blockierte Körperrythmen wieder in Gang bringen können: „Die Wirkung geht über den spezifisch angeregten Rhythmus hinaus und wirkt auf das ganze rhythmische System des Körpers und damit auf den wichtigsten Erholungsrhythmus über haupt – nämlich den Schlafrhythmus.“
Singen tut dem Herzen gut.
Studien bestätigen, dass Singen die Herz ratenvariabilität erhöht: „In einem Zustand der Herzkohärenz befindet sich unser vegetatives Nervensystem im Gleichgewicht“, so Experte Bossinger.
„Sympathikus und Parasympathikus wechseln sich harmonisch zwischen einem Beschleunigen und Abbremsen der Herzfrequenz ab und die Herzratenvariabilität – also die Anpassungsfähigkeit der Herzfrequenz – nimmt hierbei enorm zu.“
Es ist vermutlich kein Zufall, dass viele Menschen in unseren Breitengraden gerne hinduistische Mantren oder buddhistische Sutras singen. Denn Wissenschaftler haben mittlerweile festgestellt, dass diese alten heiligen Gesänge die Herzratenvariabilität erhöhen.
Skandinavische Forscher fanden heraus, dass sich beim gemeinsamen Musizieren sogar die Herzfrequenzen von Sängern miteinander synchronisieren.
Singen bringt alles in Fluss.
Musik führt dem Neurobiologen Prof. Gerald Hüther zufolge auch zu einer Stimulation emotionaler Zentren im Gehirn, die von den meisten Menschen als angenehm empfunden wird. Das erleichtert das Abspeichern neuer Erfahrungen. Und die Musiktherapeutin und Trance-Expertin Sabine Rittner hat festgestellt, „dass im rein stimmlichen Ausdruck kein Steckenbleiben möglich ist.
Die sich potenzierenden Rückkopplungseffekte der Klangwahrnehmung über Ohr, Knochenleitung und kinästheti-
sche Vibrationsempfindungen tragen dazu bei, dass Singen immer in Fluss bringt.“
Singen und Trance – ein uralter Heilungsweg.
Der emeritierte ärztliche Direktor des Instituts für medizinische Psychologie der Uniklinik Heidelberg Prof. Rolf Verres hat oft erlebt, wie heilsam Klänge im Krankenzimmer sein können: „Wenn eine Musiktherapeutin mit der Leier am Krankenbett sitzt und für einen schwerkranken Patienten singt, entsteht eine kulturelle Atmosphäre.
Die Routineabläufe der Klinik werden dadurch vielleicht zunächst irgendwie gestört, aber letztlich bereichert. Denn so Wolfgang Bossinger, Musiktherapeut, Autor und Liedermacher ist Gründer der „Singenden Krankenhäuser“.
Ein internationales Netzwerk zur Förderung des Singens in Gesundheitseinrichtungen
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